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Leerstand ist Mist: Noch verpflichtet Eigentum in Steglitz-Zehlendorf zu nichts

Ahornstraße, Bierpinsel, Gardeschützenweg, Stadtbad Steglitz, Kraftwerk Steglitz, Mäusebunker, Kreisel, Schloßstraße – Berliner Morgenpost und Leerstandsmelder zählen in Steglitz-Zehlendorf Dutzende leerstehende Objekte. Drei Beispiele, die aufzeigen, dass Leerstand Mist ist – und dass es anders geht.

Ahornstraße 15a, Bierpinsel, Gardeschützenweg 3, Stadtbad Steglitz, Kraftwerk Steglitz, Mäusebunker,
Kreisel, Gewerberäume Schloßstraße – die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Die Berliner Morgenpost zählte in Steglitz-Zehlendorf um die 40 leerstehende Objekte. Ende Januar machte Die Linke mit einer Plakataktion auf den Leerstand aufmerksam. Unser BVV-Verordneter Dennis Egginger-Gonzalez erzählt, dass das Bezirksamt Anfragen zum Leerstand nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit und bei Pflicht zur Verschwiegenheit beantwortet und kritisiert: „Das Thema soll dadurch offensichtlich politisch klein gehalten werden.“ Drei Beispiele sollen hier aufzeigen, dass Leerstand Mist ist – und dass es anders geht.

Bierpinsel

„Endlich wieder Leben im Bierpinsel“ jubelte Anfang November 2025 der tipBerlin. Junge Leute hatten das seit 15 Jahren leerstehende Gebäude besetzt und forderten: „Bierpinsel für alle“. Rund um die futuristische Landmarke ist viel Wohnraum und Gewerbe, aber kaum Kultur. Mit der Wiederbelebung des Bierpinsel „könnte“ der Bezirk Kultur bieten, doch er bekommt es einfach nicht hin. Die tip-Autorin, eine junge Steglitzerin, schreibt: „Die Besetzung ist ein Weckruf, dass es Platz gibt, mitten in der Stadt, der genutzt werden will.“

Das Gebäude wurde in den 1970er Jahren gebaut, ist eines der wenigen Überbleibsel der Pop-Art-Architektur und galt schon damals als Pleitebau: „Der Bierpinsel war der BER der 70er Jahre“, wusste der Tagesspiegel vor zehn Jahren. Zwischen 1976 und 2010 versuchten mehrere Pächter ihr Glück, doch kein gastronomischer Betrieb konnte sich lange halten. Ab August 2017 gab es Pläne, den Bierpinsel für Start-ups zu nutzen.

Im September 2021 kaufte der Immobilienmogul Götz Fluck das Objekt und bestätigte diese Nutzung zunächst. Inzwischen möchte er die untere Etage für die Freie Universität ertüchtigen, in der mittleren Etage Büroräume und oben Gastronomie einrichten. Götz beklagt, dass sich die Prüfung der Bauanträge wegen Denkmalschutz hinziehe. Tatsächliche Ursache scheint hingegen zu sein, dass das Gebäude auf einem per Erbbauvertrag nutzbarem Grundstück steht, das Götz kaufen möchte, nicht bekommt (schließlich ist der Erhalt öffentlicher Flächen wesentlich, um Preisanstiege zu verhindern) und selbst die Instandsetzung verschleppt.

Die Linke hat die Besetzung begrüßt und macht sich die Forderung „Bierpinsel für alle“ zu eigen. Wir fordern von Senat und Bezirk den Rückkauf und eine solidarische Nutzung durch die Stadtgesellschaft.

Gardeschützenweg 3

Das einst prächtige Gründerzeithaus mit elf Wohnungen und Möglichkeiten für Kleingewerbe im Erdgeschoss gammelt seit gut 25 Jahren vor sich hin. Das Haus befindet sich seit seiner Fertigstellung 1907 im Familienbesitz. 1997 wurde die Immobilie an ihren heutigen Eigentümer vererbt. Der aber sorgt nicht wie seine Mutter für die Instandhaltung des Gebäudes, sondern tut nix und lässt es verfallen, gar verwahrlosen. Das Resultat: Bis Mitte
2000 sind alle Mieter ausgezogen.

Inzwischen gleicht das Haus einer Ruine und beeinträchtigt den Verkehr: Wegen herabstürzender Teile musste ein Zaun um das Grundstück gebaut werden, der den Bürgersteig verengt und Radfahrer auf die Straße zwingt. War das Bezirksamt zunächst noch zögerlich, geht es inzwischen härter gegen den Besitzer vor. Doch er lässt Fristen verstreichen, antwortet auf behördliche Anfragen wenn überhaupt mit Verzug und geht gegen jeden Verwaltungsschritt juristisch vor. Nach dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz ist eine Treuhänderregelung möglich, doch offensichtlich reichen selbst nachgeschärfte Gesetze nicht aus, um renitente Eigentümer in die Schranken zu weisen.

👉 Unser Video zum Gardeschützenweg 3 (YouTube) 

Pop Inn

Ein kommunalpolitisches Trauerspiel ist auch die Geschichte von Berlins erster Jugenddisco, dem Pop Inn in der Ahornstraße 15a. Das Gebäude wurde 1881 erbaut und steht seit 2013 leer. Während der Weimarer Republik befand sich dort das linke Bezirkslokal „Schellhase“. Antifaschisten organisierten von hier aus den Widerstand gegen die Nazis. Im Online-Archiv der SPD-Zeitung Vorwärts wird der Schellhase 148 Mal genannt und in der Biografie von Wilhelm Pieck findet sich der Satz: „Heute Abend Treffen im Schellhase.“ Die Ahornstraße 15a ist also ein bedeutender Ort der Berliner Arbeiterbewegung.

Nachdem das Gebäude einige Zeit einen Jazzclub beherbergt hatte, öffnete im Mai 1960 das Pop Inn den Berliner Jugendlichen unter 16 Jahren seine Türen. Seither trafen sich dort mehrere Generationen, bei Musik zu tanzen oder knutschen: Das Pop Inn war ein Ort, um sich auszuprobieren. Wegen Anwohnerprotesten wurde es 2010 vorläufig und nach einem erneuten Versuch 2013 endgültig geschlossen. Der Bezirk wollte das Gebäude zum Mädchen- und Frauenzentrum machen, hatte aber angeblich kein Geld dafür. Dann sollte es eine Kita werden, die Pläne wurden wegen nicht genügend Freifläche verworfen. Fachkräftemangel scheint es auch in der Kommunalpolitik zu geben.

Seit gut sechs Monaten setzt sich die Initiative Kieztauben dafür ein, dass aus dem geschichtsträchtigen Ort wieder eine Begegnungsstätte für Jugendliche wird. „Wir brauchen Orte, wo wir zusammenkommen können, ohne Geld zu bezahlen“, so eine Kieztaube. Die zuständige Stadträtin Carolina Böhm scheint die Botschaft der jungen Leute verstanden zu haben und kann sich ein selbstverwaltetes Jugendzentrum vorstellen. Derzeit wird geprüft, wer die Sanierung finanziert und es wird nach einem Betreibermodell gesucht. Die Linke unterstützt das Vorhaben und die Kieztauben – auf dass der Leerstand endlich ein Ende hat.

Mit der Kanidatur unseres langjährigen Bezirksverordneten Dr. Dennis Egginger-Gonzalez zum Bezirksstadtrat wollen wir den eklatanten Leerstand im Bezirk und den Verfall unserer Wahrzeichen aufhalten - dafür benötigen wir am 20. September Ihre Unterstützung!

Wir haben einige genannten und weitere Leerstände unseres Bezirks auch in Videos festgehalten (Hier anschauen!). Diesen und weitere Artikel finden Sie in unserer Wahlzeitung für Steglitz-Zehlendorf. Sie erhalten Sie überall an unseren Ständen und vielleicht liegt schon morgen eine in Ihrem Briefkasten.

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