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Rote Beete

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Marcus Otto, Ak Rote Beete West

Muss eine Stadt essbar sein? Eine Frage von Marcus Otto

Es gibt Ideen, die sich schnell verbreiten, weil sie Menschen ansprechen. Vor kaum 12 Jahren wurde in Todmorden, einer 15.000 Einwohnergemeinde in West Yorkshire, Großbritannien erstmals ein Konzept für eine Essbare Stadt vorgestellt. Schon ein Jahr später erklärte sich die Stadt Andernach am Rhein zu einer Essbaren Stadt und dient seitdem für die Debatte in Deutschland als Beispiel.

Seit diesem Jahr ist die Zahl der Städte, mit Projekten zu einer „essbaren Stadt“, deutlich gewachsen. Die Seite „essbare Stadt Minden“ nennt aktuell 63 Projekte, Wikipedia bringt es in seinem Artikel auf fast 70. In der Idee einer Stadt zum Anbeißen steht mehr als nur eine romantische Vorstellung gelangweilter Kleinstädter und sie ist aktueller, als den meisten, politischen Verantwortlichen bewusst ist. Bevor Sie liebe Leser jetzt damit beginnen Witze über Straßenbelag aus Lakritze oder Lebkuchen-Rathäuser zu reißen, schauen wir mal, was eine solche Essbare Stadt eigentlich soll.

Die Essbare Stadt ist das Konzept, bei dem die in der Stadt liegenden Potenziale zur Nahrungsgewinnung genutzt werden. Es bezeichnet den Ansatz der Nutzung der vorhandenen städtischen Flächen zum Anbau von Nahrungsmitteln für den Gebrauch der Städter. Wie in Andernach, der ersten Essbaren Stadt in Deutschland, gilt hier, bei den Pflanzungen im öffentlichen Raum, in der Regel "Pflücken erlaubt". Die Verwaltung pflanzt auf den öffentlichen Grünflächen, Pflanzkübeln, Wiesen nicht nur Schmuckgehölze, Blumen, etc., sondern eben auch Kirschen, Gurken, Chili, Tomaten, Walnüsse, Petersilie. Idealtypisch ist der Einsatz lokaler Pflanzen und Sorten, die nicht auf dem üblichen, täglichen Speiseplan landen, wie Hartriegel, Ringelblume, Portulak, Schwarzwurzel, Holunder etc. Nicht vergessen werden sollten in den Konzepten auch Zwei- und Vierflügler – denn nicht nur die Menschen, sondern auch Insekten und Vögel brauchen in einer lebendigen Stadt Futter und Räume. Die Essbare Stadt bietet auch didaktische Optionen für vom Landleben entfremdete Städter. Im Idealfall findet ein Bewohner der essbaren Stadt im Laufe des Jahres Gewürze, Nüsse, Beeren, Gemüse etc. zum Pflücken in seinem Wohnumfeld, wofür er sich an der Gestaltung dieses Angebots beteiligt.

Neben Leistungen der Kommune, die Grundlage einer Essbaren Stadt sein sollte, kann ein Konzept auch gewerblich oder subsistenzwirtschaftlich genutzte Anbauflächen beinhalten, die dann vor allem dem Ziel dienen, die reale Versorgung mit Nahrung regional zu unterstützen, um die Energie für Transporte und die Lieferkettenabhängigkeit zu minimieren.

Eine essbare Stadt kann und darf verschiedene Stoßrichtungen und Orte haben. Die Träger dieser Maßnahmen können bunt und vielfältig sein. Sie reicht von Unternehmern, die vor Ort frische Ware produzieren, über die Anwohner bis zur Schule, die mit ihrem Schulgartenprojekt einen Anteil zur eigenen Kantine leistet.

Warum das Ganze?

Aktuell stehen wir in von der Corona-Gefahr gebeutelten, dicht bevölkerten, global organisierten Städten vor dem Dilemma, dass wir möglichst in großem Maßstab auf fossile Energieträger verzichten müssen. Das Ernährungssystem, das wir uns aufgebaut haben und das uns ernährt, ist aber, wie die meisten Wirtschaftsbereiche, in großem Stil auf diese Energie angewiesen. i)

In den letzten zwei Jahrhunderten haben wir die Grundstruktur, in der wir leben, extrem verändert. Waren wir vorher vor allem eine auf dem Land lebende Bevölkerung, hat uns die ständig steigende Produktivität in die Städte getrieben. Wir konzentrierten die Arbeit immer mehr auf die Produktion und Verteilung von Industriewaren, Dienstleistungen etc. während die Produktion von Nahrung automatische immer weniger Arbeitskraft benötigte. Dem Stadtbewohner wurde die Produktion der Nahrung immer fremder. Die Produktivität dieses Systems wurde ganz wesentlich und zu großen Teilen aus der Verbrennung bzw. Verwendung von fossilen, kohlenstoffbasierten Energieträgern (Kohle, Gas, Erdöl) generiert. Die Wege, die das tägliche Essen dabei zurück legt, die Energien für den Dünger wachsen im Rahmen einer globalisierten Arbeitsteilung kontinuierlich ii). Der Zweck liegt aber nur teilweise darin, ausreichend Mägen zu füllen. Der andere, die Entwicklung treibende, Zweck ist, dem Produzenten bzw. seinem Geldleiher eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften iii). Dieser Punkt treibt die Veränderung der Landwirtschaft wesentlich an.

Bei der Nutzung des fossilen Energieträgers wird systematisch übersehen, dass jedes Naturverhältnis wechselseitig ist, dass die verschiedenen Elemente miteinander gekoppelt sind. Mit den Worten von Friedrich Engels gesprochen (hier zum einen, weil auch Ökosozialisten immer gerne die Klassiker zitieren, zum anderen, um zu zeigen, wie alt die grundlegende Erkenntnis eigentlich ist):

Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben. (…)Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“

Der enorme Sieg, den das System der fossilen Verfeuerung der Menschheit bisher über die Widrigkeiten der Natur brachte, wendet sich nun als Klimawandel in einer Selbstverbrennung iv) gegen seine Nutzer. Dass das inzwischen viele erkannt haben, zeigen nicht allein die Schüler von Fridays for future. Es ist Zeit es zu ändern.

Ein ökologischer, klimaneutraler und unbeschränkt verfügbarer Treibstoff ist nicht in Sicht. Verfügbarer und erprobter ist die Vermeidung von Transportwegen. Diese gibt es ohne weiteren Energieaufwand. Transportvermeidung kann nur mit lokal erzeugter, an die Standortbedingungen angepasster Nahrung gelingen.

Sind wir, wie Engels Ende des 19. Jahrhunderts annahm, aber tatsächlich in der Lage aus der Erkenntnis die richtigen Schlüsse zu ziehen? Das wäre noch zu beweisen und scheint nicht wahrscheinlich. Es lohnt sich aber, es auf allen Ebenen zu versuchen. Ein kleiner Baustein könnte die Rückgewinnung von Nahrungswissen und Ernährungssouveränität durch lokale Nahrungsproduktion sein – auch wenn es nur in Teilbereichen erfolgt. Das Konzept der Essbaren Stadt kann zumindest einen Baustein bei der Regionalisierung der Nahrungsmittelproduktion, also bei der Annäherung der Primärproduktion an die Konsumenten, liefern. Es ist ist eigentlich eine Kombination aus notwendiger Rückbesinnung, die sich teilweise aus den genannten Problemlagen und einer langen Vergangenheit ergibt und einer Modernisierung der Almende. Der Ansatz selbst ersetzt die notwendige, globale Agrarwende nicht.

Essbare Stadt als Teil des urban gardenings

Der große Oberbegriff für diese Idee der Nahrungsproduktion in Sichtweite zum Konsumenten ist das „urban gardening“ - das städtische Gärtnern. Hier fallen viele zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze hinein.

Lassen wir die privaten und gewerblichen Strukturen einmal außen vor. Diese bestehen auch im Berliner Süden. Hier sind in erster Linie die Kleingärten (z.B. Schöneberg) zu nennen. Sie sind quasi die agile Großmutter der essbaren Städte. Sie brauchen in Zeiten des Flächendrucks vor allem politische Rückendeckung, sie zu sichen v) haben aber ausreichend eigene Strukturen und eine lange Erfahrung und Kultur, um sich weiter zu entwickeln. Daneben existieren ökonomische Projekte wie z.B. der Salzpflanzengarten auf dem Dach des Görzwerks oder die ECF- Farm in der Bessermerstrasse, die Fisch und Basilikum im Kreislaufsystem erzeugt. Wir wollen bei der essbaren Stadt den Fokus auf die Allmende bzw. den öffentlichen Raum legen.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Natürlich kann ein urban gardening nicht allein die Versorgung einer Metropole erledigen. Doch die Kapazität eines urban gardening Ansatzes ist erheblich höher, als viele es gemeinhin vermuten würden. Musterbeispiel für eine essbare Stadt ist Havanna. Die kubanische 2,1 Millionen Hauptstadt kann, nachdem sie sich aufgrund der Wirtschaftssanktionen und dem Zusammenbruch der SU als ihrem wichtigsten Partner, grundsätzlich umgestalten musste, heute 70% der Gemüseversorgung ihrer Einwohner aus eigenen Gärten gewährleisten. Für eine Großstadt ist das enorm. Um in diese Richtung zu gehen, braucht es eines veränderten Ernährungssystems mit einer deutlichen Steigerung des „rural-urban nexus“ also der Verbindung von ländlichem und städtischen Raum. Für diese Frage hat z.B. die TU-Berlin vor zwei Jahren ein interessantes Arbeitspapier herausgegeben, aus dem die Bandbreite der möglichen Schritte erkennbar wird – die gute Nachricht ist: das ganze ist kein Hexenwerk, sondern eine Praxis der Vergangenheit, die in unsere heutige Gesellschaft zu reintegrieren wäre.

Auf dem Weg zur Umsetzung

An dieser Stelle steht die Frage, wie man sich auf diesen Weg machen kann. Hier kommt eine lokale Verwaltung ins Spiel, um die Sache zum Laufen zu bringen. Welche Komponenten gibt es?

  • Es gibt Akteure, die in ein lokales Ernährungskonzept einzubinden wären.
  • Es gibt Orte im städtischen Zugriff, die potenziell genutzt werden können.
  • Es gibt Ressourcen, die zur Verfügung gestellt werden können.

Fangen wir in unserem Gedankenspiel mit den Akteuren an. In der aus der Geschichte bekannten Almende gab es (in diversen Rechtsformen) öffentliches Land, von allen genutzt werden konnte und auf dem die Nutzer zumeist auch Leistungen zu bringen hatten. In unseren Modernen Städten wäre es durchaus denkbar, dass interessierte Einzelpersonen damit beginnen, die öffentlichen, bepflanzbaren Flächen in ihrer Nachbarschaft mit nützlichen Dingen zu bepflanzen. Zum Teil geschieht das heute ja bereits mit einigen Baumscheiben. Beginnen kann man hier z.B. mit verwaisten Pflanzflächen der Grünflächenämter bzw. den Schmuckbeeten, die im Rahmen des städtischen Rückzugs aus der intensiveren Nutzung genommen sind. Ein aufmerksamer Gang durch die Nachbarschaft zeigt meist, wieviel potenzielle Flächen tatsächlich vorhanden sind, wo brache Flächen ohne Erholungswert sind, wo in Parks Raum ist, neben der Liegewiese auch Karotten zu pflanzen, wo auf einer verwaisten Betonfläche Hochbeete stehen können, wo hinter dem Krankenhaus auch Lungenkraut und Salbei wachsen können.

Feste Strukturen wie Altersheime, Kulturvereine, Sportvereine, ansässige Gewerbetreibende, Nachbarschaftsnetzwerke, wie sie im Internet zum Teil bereits bestehen, können als Akteure einer essbaren Stadt eingebunden werden. Gerade kleine Gewerbetreibende mit lokalen Geschäften, Rentner*innen, Gemeinden etc. haben oft den kleinen Teil freier Ressourcen, der auf der Almende eingebracht werden kann. Je weniger es sich bei den genutzten Flächen um übernutzte Durchgangsflächen handelt, desto erfolgreicher können sie ohne Nutzungskonflikte in der Nachbarschaft eingebunden werden.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Essbare Stadt ist allerdings auch, dass die lokale Verwaltung mit im Boot ist, Struktur gibt und den entsprechenden Rahmen setzt. Viele notwendige Tätigkeiten müssen ermöglicht werden, rechtliche Beschränkungen beseitigt werden, Netzwerke entwickelt werden. Infrastruktur und Ressourcen, z.B. zum Bewässern bzw. Beratungsangebote der Grünflächenämter sind zu schaffen. Auch die Bereitstellung von Pflanzmaterial oder Substrate kann sinnvoll sein, bzw. die Organisation von Austauschorten für Pflanzen und Saaten. Für die Nutzung des öffentlichen Raumes sind entsprechende Informationen zu schaffen , Vorgaben sind zu entwickeln, Pflegevereinbarungen zu entwickeln und abzuschließen. Idealerweise werden, ähnlich wie bei den Städtepartnerschaften, Vereine geschaffen, die die Interessen der beteiligten Stadtbevölkerung vertreten, Prozesse organisieren, Vertragspartner sind. Die Essbare Stadt bietet die Chance Akteure zusammen zu bringen und so in der Nachbarschaft Verbindungen zu schaffen.

Chancen und Aussichten

Die Essbare Stadt kann ein Beitrag sein, die eigene Stadt und den eigenen Konsum anders wahrzunehmen und auch in der Stadt selbst aktiv zu werden, sich die Stadt quasi anzueignen. Sie kann auch In Zeiten, in denen es ökonomisch nicht opportun erscheint, Nahrung lokal zu produzieren, einen sozialpolitischen Beitrag leisten. Da wo eine Stadtverwaltung Johannisbeeren und Petersilie anstelle von Kirschlorbeer oder Primeln pflanzt, wo es im Herbst Eßkastanien regnet und Bienenweiden Insekten über den ganzen Sommer bringen, da können sich auch Menschen mit geringem Einkommen bedienen und vor allem sich ohne besondere Ausrüstung oder Werkzeug in der Gemeinschaft einbringen.

Außerdem bietet eine Essbare Stadt die Möglichkeit einer Wiederannäherung des Konsumenten an das von ihm konsumierte Produkt. Kinder können erkennen, wann welche Pflanze wächst, wie so ein Salat blüht und wie lange der Apfel am Baum hängt, bis er einem zum Nachdenken über die Gravitation inspiriert. Eine alte Nutzpflanzenart, die sich wegen mangelnder Anpassung an die Marktbedürfnisse nicht mehr in den Supermärkten findet, ist hier erfahrbar. Schulen können das Wissen über unsere Nahrungsmittel vor Ort am verwelkten Kartoffelblatt bzw. der Selleriknolle vermitteln. In den Schul- und Bezirksamtsgärten werden sie haptisch erfahrbar, was im herrschenden Ernährungssystem, in dem Tomaten von Januar bis Dezember erhältlich sind, kaum noch anschaulich möglich ist.

Die Essbare Stadt ist Klima- bzw. Umweltschutz und die Chance sich die Stadt anzueignen und der Bevölkerung Optionen zu öffnen praktisch und kreativ im Stadtraum zu wirken und dieses Wirken als eine kollektive Aktion zu erleben. Sie bietet auch Alleingängern die Chance, eine am Gemeinwohl orientierte Tätigkeit auszuüben. Im Rahmen von Gemeinschaftsgärten bzw. gemeinschaftlicher Bearbeitung der Flächen kann, gerade in Gebieten mit ärmerer bzw. kulturell gemischter Bevölkerung, ein solches Konzept auch ein Mittel der gegenseitigen Integration von Nachbarschaften sein.

Im Umfeld der Essbare-Stadt Bewegung, die an vielen Stellen Schnittstellen zum „urban gardening“ also den Gartenprojekten in der Stadt hat, bewegen sich auch die Ernährungsräte, die es in vielen Städten inzwischen gibt. Die Ernährungsräte versuchen dabei die Ernährungspolitik, die historisch gesehen eine Kernfrage des guten Regierens war, wieder auf die aktuelle, politische Ebene zu heben. Diese ist im aktuellen Ernährungssystem eher zu einer Subventionsfrage, als zu einer Frage der Daseinsvorsorge geworden vi). Ernährung regelt heute der Markt, während Fragen, wie die einer Ernährungssouveränität, energetischer Rationalität, Gesundheitsschutz (z.B. Gülle und Nitratbelastung), Artenvielfalt, Gerechtigkeit, etc. ausgeblendet werden. Hier springen die Ernährungsräte ein, die sich damit beschäftigen, welche Form von Nahrungsmittelproduktion wünschenswert ist und wie die Gesellschaft dort hin kommt. Der Ernährungsrat Berlin könnte Partner für die Entwicklung von Projekten zur essbaren Stadt sein.

Wem das generell zu viel Abstimmung ist, dem bleibt noch die Option in Balkonien in ein urban gardening Projekt einzurichten. Das Potenzial, das im heimischen Balkon schlummert, wird meistens deutlich unterschätzt, wie die Seite bio-balkon.de von Birgit Schattling über ihren Wilmersdorfer Balkongarten belegt. Bei einer entsprechenden Etablierung könnten hier allein in Berlin Hunderte Hektar Pflanzfläche gewonnen werden. Es lohnt, sich hier Wissen anzueignen.

Die Klimakrise wie auch die Coronakrise zeigen, wie aktuell das Denken über eine lokalen Nahrungsversorgung werden kann. Sie zeigen, dass unsere Versorgungssysteme nicht wirklich jeder Belastung stand halten können. In der Coronakrise wird deutlich, dass zentrale Produkte schnell zu Mangelwaren werden können, sobald eine Kenngröße ins Wanken kommt und man wesentliche Teile eines Versorgungssystems ganz aus der Hand gegeben hat. Ein System, das darauf ausgerichtet ist, dass Soja in großen Mengen aus Lateinamerika angeliefert wird, das Korn überregional einführt, das landwirtschaftliche Nutzfläche immer mehr für Energiepflanzen nutzt, Obst und Gemüse aus Antalya oder Almeria ( jeweils ca. 2200 km Luftlinie) einführt, ist störanfällig und nicht von heute auf morgen umkehrbar. Hier ist ein Rückwärtsgang notwendig, für den die Ernährungsräte gute Thinktanks und Essbare Städte gute Praxisversuche sind.

Wie gesagt, für eine essbare Stadt braucht es politischen Willen, denn die lokalen Verwaltungen werden dringend benötigt, um solche Projekte zu ermöglichen. Wichtig für die Umsetzung ist, dass ein Programm für die Essbare Stadt im Rahmen von sich bietenden Optionen kontinuierlich entwickelt und schrittweise umgesetzt wird. Es ist Zeit diese Ansätze auch bei uns im Berliner Südwesten zu vertiefen. Das sollten wir uns dies auf die Agenda nehmen. Oder?

 

i) Es gibt hier diverse Studien. Relativ übersichtlich bzw. kurz sind eine Studie des Ökoinstitut „Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln“ aus 2011, auf dass sich viele als Quelle beziehen und eine des WWF: „Klimawandel auf dem Teller“ aus dem Jahr 2012.

ii) Allein die Stickstoffdüngerherstellung verbraucht laut Wikipedia 1,2% der globalen Prmärenergie.

iii) Es passt nicht voll zur essbaren Stadt, aber wer sich mit den ökologischen Folgen der Kapitalakkumulation und der Landwirtschaft beschäftigen möchte, der wird aktuell bei John Bellamy Foster (Foster, u.a.: Der ökologische Bruch. Der Krieg des Kapitals gegen den Planeten, Hamburg 2011) fündig, der sich im Kapitel 14, ausgehend von seiner Auseinandersetzung mit Karl Marx mit „Imperialismus und ökologischem Metabolismus“ (also der Stoffwechselerkrankung eines globalisierten Kapitalismus) auseinandersetzt.

iv) Das Buch „Selbstverbrennung –Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff“ von Hans Joachim Schellnhuber (München, 2015) ist hier Stichwortgeber

v) Zur Frage des Stadtgrüns sei vor allem die Kampagne Immergrün des BUND Berlin empfohlen.

vi) Vgl. hier auch den Artikel: „von der aktuellen Agrarpolitik profitieren nur wenige“ von Julie Borges (seit letzter Woche auf unseren Seiten.)


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