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Rote Beete


Das Militär muss als Klimakiller anerkannt werden – und dann hilft nur Abrüstung!

Ein Beitrag von Nils vom AK Rote Beete (West)

 

In der aktuell viel geführten Debatte um Klimagerechtigkeit, CO2-Ausstöße und die Einhaltung der Pariser Klimaziele, ist ein Thema ständig unterrepräsentiert: Wie viel CO2stößt eigentlich das Militär aus, welche Umweltschäden hatten bisherige Militäreinsätze; wenn wir das Verkehrswesen, Industrie und Energien sauber machen wollen – wie ginge das beim Militär?

Die schlichte Antwort ist: Es gibt kein umweltfreundliches Militär und es scheint auch kaum realistisch, dass es das in Zukunft geben könnte. Ein von der Bundeswehr eingesetzter Panzer Leopard 2 verbraucht im Gelände ca. 530 Liter und auf der Straße ca. 340 Liter Diesel auf 100 km. Der Kampfjet Tornado verbraucht zwischen 1 800 und 6 000 kg Kerosin pro Flugstunde, das entspricht zwischen 6 Tonnen und 18 Tonnen CO2 pro Flugstunde. Natürlich sind Militärfahrzeuge, Panzer, Kampfjets und Militärschiffe oder U-Boote alles andere als umweltfreundlich gebaut (Neu: 20). Eine umweltfreundliche Bundeswehr wird es wohl nie geben, eine Institution, die auf Zerstörung ausgelegt ist, kann per se nicht ökologisch handeln.

Warum wird das Thema dann in den Klimazielen ausgeklammert? Das liegt unter anderem daran, dass die USA dafür gesorgt haben, dass das Militär in den jährlichen nationalen Berichten für Treibhausgasemissionen ausgenommen wird (obwohl sie die 1997 beschlossenen Kyoto-Ziele selbst nie ratifiziert haben) (Neu: 19). Und das mit gutem Grund: Der Militärapparat der USA ist für 80% der Emissionen von staatlicher Seite verantwortlich. Wäre das US-Militär ein Staat, lägen die Treibhausemissionen im nationalen Vergleich auf Rang 47 zwischen Portugal und Peru. Das US-Militär allein ist also ein CO2-Emittent wie ein ganzer Staat mit der Größe Schwedens (Neu: 20). Zudem verbraucht die US-Luftwaffe ein Viertel des weltweiten Flugbenzins, das sind riesige Mengen Erdöl, die das Pentagon an Militärstützpunkten in ressourcenreichen Gebieten der Welt sichert. Die Abhängigkeit der USA nach fossilen Brennstoffen besteht also vor allem durch das US-Militär.

Nicht nur die US-Armee ist ein riesiger Klimakiller, sondern auch die Bundeswehr. In Deutschland erschwert allerdings ein weiterer Faktor den Klimaschutz: Die Bundeswehr, anders als andere Armeen weltweit, gibt ihre Zahlen zu Treibhausgasemissionen nicht wirklich transparent an. Die Zahlen lassen sich kaum finden, oder sind unvollständig (siehe Neu: 23f). In Deutschland lag der Verbrauch an CO2 der Bundeswehr im Inland bei schätzungsweise 1,7 Millionen Tonnen (im Jahr 2017), das sind mindestens 0,2 Prozent der Gesamtemissionen. Die Auslandseinsätze, bei denen extrem viel CO2 verbraucht wird, sind allerdings nicht miteingerechnet, weswegen diese Zahl auch kaum vergleichbar ist. Und auch um Rüstung zu produzieren, muss enorm viel Energie aufgewendet werden – die Stahlindustrie ist einer der Sektoren in Deutschland, der am meisten CO2 verbraucht.

Wir brauchen Abrüstung weltweit! Eine geplante Verdopplung der Militärausgaben von 40 auf 80 Milliarden Euro pro Jahr vervielfacht nicht nur die CO2-Emissionen und sorgt für militärische Spannungen weltweit, sondern das Geld fehlt an der Stelle des Klimaschutzes, wie zum Beispiel das Umweltministerium (BMU), das mit kärglichen 2 Milliarden Euro Jahresbudget ausgestattet ist.

Bis jetzt wurden nur die direkten Auswirkungen des Militärbetriebes genannt. Dazu kommt, dass das Militär für eine Sache ausgelegt ist: Abschreckung und Zerstörung. Und gerade in Kriegseinsätzen kommt es zu massenhafter Vertreibung und Flucht von Menschen, sowie zu massiver Umweltzerstörung vor Ort. Das sind enorme Kosten für die Aufnahme von Geflüchteten in anderen Ländern oder für Maßnahmen um die Natur zu bereinigen, aber vor allem werden Menschen getötet. Krieg ist und bleibt ein Mittel der Zerstörung und kann nicht nachhaltig funktionieren. Aber auch der zivile Wiederaufbau verschlingt Unmengen an Ressourcen wie Baumaterial für Gebäude und Infrastruktur und sorgt für einen riesigen ökologischen Fußabdruck.

Während sich momentan Bürger*innen bemühen auf umweltbewusstes Verhalten zu achten und bereit sind, Einschränkungen in ihrem Privatleben in Kauf zu nehmen, um der Umwelt zu helfen, konterkariert die Umweltzerstörung durch das Militär sämtliche Bemühungen. Solange das Militär nicht als enormer Klimakiller benannt wird und für Abrüstung gekämpft wird, kann kein ernsthafter Klimaschutz entstehen. Klimaschutz und Friedenspolitik gehen nur Hand in Hand.

Fazit: Wir brauchen endlich Transparenz. Deutschland muss Klimagerechtigkeit wirklich ernst nehmen und dafür die Emissionen der Bundeswehr offenlegen, die Bundeswehr muss abgerüstet werden und es muss international für Abrüstung geworben werden. Die Klimakrise bringt katastrophale Auswirkungen mit sich, diese können nur mit friedlicher Politik und effektivem Klimaschutz eingedämmt werden.

Quellen und Links:

Abfang (o.J): Ressourcenzerstörer Militär: Rüstung und Krieg als Klimakiller

Braun, Reiner (2020): Militär ist tödlich auch für Umwelt und Klima

Neu, Alexander & Zdebel, Hubertus (2020): Das Militär: Tödlich auch für Umwelt und Klima: Für Nachhaltigkeit statt Militarisierung

Pflüger, Markus (2019): Krieg ist der größte Klimakiller, IMI-Standpunkt 2019/023


KONTAKT

Ansprechpartner:
Dennis Egginger-Gonzalez
ak.rotebeete.west@posteo.de
Tel. 0176-47182144

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