DIE LINKE und die Programmatik
Was braucht DIE LINKE, ein Programm oder eine Gebrauchsanweisung zur Regierungsbeteiligung?
Befasst man sich mit der Definition der Begrifflichkeit „Programm“, findet man im Fremdwörterlexikon die Definitionen „...2. Arbeitsplan 3. Ziel, Zielsetzung“. Die Erklärung für „programmatisch“ besagt: „richtungsweisend, zielsetzend, grundsätzlich, planmäßig;“. In Wikipedia finden wir näheren Aufschluss, was ein Parteiprogramm ist und auch, was es nicht ist: „....Ein Parteiprogramm (auch Grundsatzprogramm) ist eine politische Schrift und enthält die grundsätzlichen Forderungen, Ziele und Werte einer politischen Partei.“ Und weiter: „... Es konstituiert die Identität einer Partei, wodurch es nach innen unterschiedliche Strebungen integriert und nach außen eine Abgrenzung zu anderen politischen Gruppierungen bewirkt. Ein Parteiprogramm weist grundsätzlichen Charakter auf und ist folglich relativ abstrakt formuliert. In der Regel ist eine solche Schrift derart konzipiert, dass sie für längere Zeit Gültigkeit hat. Antworten auf aktuelle politische Fragen werden daher in einem Parteiprogramm kaum gegeben.“
Hervorzuheben sind richtungsweisend, zielsetzend, grundsätzlich sowie Identität und Abgrenzung. Schaut man sich diese Zuschreibungen an wird deutlich, weshalb der vorliegende Programmentwurf – obwohl erst Entwurf und obwohl noch kaum inhaltlich in den Gliederungen der Partei diskutiert – bereits jetzt heftige und sehr widersprüchliche Emotionen hervorruft. Wenn wir es ernst meinen damit, dass durch dieses Programm die Identität unserer Partei definiert werden soll, so brechen an diesem Punkt alte Wunden wieder auf, die durch die Fusion der beiden Quellparteien nicht geschlossen werden konnten.
Es geht nicht nur um die Frage, woher jeder einzelne kommt, sondern vor allem um die Frage, in welche Richtung es gehen soll. Das setzt voraus, dass man eine gemeinsame Orientierung hat. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten notgedrungen auch dahin schauen müssen, wo’s wehtut.
Es ist eben nicht möglich, die Frage des Systems außen vor zu lassen. Wir können nicht Kapitalismus definieren ohne auch unsere Vorstellung von Sozialismus darzulegen. Es passt nicht zusammen, wenn der eine Teil „Kapitalismus light“ im sozialökologischen Gewand haben möchte, der andere Teil hingegen die Systemfrage stellt und Sozialismus nicht nur sagt sondern auch meint. Die Reduzierung des als erforderlich gesehenen gesellschaftlichen Umbaus auf sozial-ökologische Fragestellungen ignoriert die ökonomischen Verhältnisse ebenso wie die imperialistischen Züge des Neoliberalismus. Kapitalismus wird nie ein menschenfreundliches System werden, da dies ein Widerspruch in sich ist: im Mittelpunkt steht der Markt, nicht der Mensch. Punkt.
Nun ein Wort zur Abgrenzung und zur Richtungsweisung. Wenn wir nun unserer Partei ein Programm geben, so muss deutlich erkennbar sein, dass wir etwas anderes als die anderen wollen. Reale Politik erfordert Kompromisse und Kompromisslinien. Diese aufzuzeigen ist allerdings (wie oben beschrieben) nicht Aufgabe eines Parteiprogramms. Deshalb ist es geradezu fatal, sich anbiedern zu wollen und weichgespülte Formulierungen zu suchen statt glasklare Aussagen zu treffen und Stellung zu beziehen. Wir können davon ausgehen, dass auch der Einzug in den NRW-Landtag der Tatsache zu verdanken ist, dass Position bezogen wurde, die sich aus der Abgrenzung zu anderen Positionen speist. Wenn die Formulierungen im Programmentwurf nun als „antikapitalistische Prosa“ (Klaus Lederer auf dem Landesparteitag am 24.4.2010) tituliert und der moderne Kapitalismus damit legitimiert wird, er enthalte „zahlreiche fortschrittliche Elemente“ (Stefan Liebich im Tagesspiegel online am 9.5.2010), dann kommen wir schnell dahin, dass die SPD uns programmatisch links überholt. Wenn in Zeiten des sich immer mehr verselbständigenden Kapitalismus und einer bisher nie dagewesenen Wirtschaftskrise, die uns – obwohl totgeglaubt, weil für tot erklärt – immer wieder einholt, Vertreter einer linken Partei diesem System meinen die Stange halten zu müssen, kommt langsam der Verdacht auf, dass die antikommunistische Saat sogar in deren Köpfen bereits Früchte trägt. Da finden wir bei Gewerkschaften und Sozialdemokraten weitaus radikalere Äußerungen.
Für die einen besteht in der Aufweichung der Formulierungen im Programmentwurf genau darin eine große Gefahr – nämlich des Identitätsverlusts. Für die anderen ist es ganz offensichtlich das eigentlich Gewünschte – fragt sich nur, weshalb sie dann nicht längst in eine Partei gewechselt sind, in der sie mit dieser Auffassung besser aufgehoben wären – so wie andere schon vor ihnen.
Identitätsstiftend soll das Programm sein. Der Entwurf leistet diese Arbeit durchaus, gerade weil er eben keine „realitätstauglichen Antworten“ auf „lebenspraktische Probleme“ (Klaus Lederer auf dem LPT) gibt, auch wenn sich dies einige unserer Realpolitiker noch so sehr wünschen. Wenn dem aber so wäre, dann wäre es eben kein Programm sondern eine Bedienungsanleitung für Regierungsbeteiligung. Irgendjemand hat auch mal gesagt, man müsse das Unmögliche wollen, um das Mögliche zu schaffen. Es wäre schön, wenn sich – gerade hier in Berlin – einige Genossinnen und Genossen, die Regierungsverantwortung tragen, im Zusammenhang zumindest mit der Programmatik unserer Partei diesen Leitspruch zur Maxime ihrer Bewertung machen würden. Dann nämlich würde uns eventuell eine ausgerechnet über die bürgerliche Presse ausgetragene Auseinandersetzung erspart bleiben, die erst mal innerhalb der Partei zu erfolgen hat. Von den Medien gewürdigte Veranstaltungen wie den Landesparteitag zu nutzen, um ohne vorherige Ankündigung den Programmentwurf in dieser Art, wie geschehen, zu bewerten und herabzuwürdigen, kann als klarer Versuch der massiven Stimmungsmache und Einflussnahme gewertet werden. Den Entwurf zu würdigen als Versuch der Integration unterschiedlicher Meinungen und damit des Brückenschlags, das wäre tatsächlich ein konstruktiver Ansatz gewesen, dem eine inhaltliche Diskussion auf gleicher Augenhöhe hätte folgen können. Das aber, was geschehen ist, war ein in Grund und Boden Kritisieren, so dass nichts mehr übrig bleiben sollte von der im Entwurf geleisteten schwierigen Arbeit. Die dahinter liegende Absicht ist klar: es sollen schon jetzt Pflöcke eingeschlagen werden, um die Richtung der weiteren Diskussion zu bestimmen. Zur Kenntnis genommen werden musste auf dem Landesparteitag aber auch, dass die erwartete breite Zustimmung zu den tendenziösen Äußerungen ausblieb – der Applaus war denkbar schwach und musste von den Fraktionsfreunden und –freundinnen in Gang gebracht werden. Kann ja nur bedeuten, dass im Saal kritisch und eigenständig denkende Genossinnen und Genossen saßen, die sich nicht so leicht beeinflussen lassen wollen. Das ist im Zusammenhang mit der Debatte, die uns die nächsten Monate begleiten wird, ein durchaus beruhigender und angenehmer Gedanke. Vielleicht bleibt ja schlussendlich doch ein Großteil der „antikapitalistischen Prosa“ übrig und weist damit den Weg, den wir als sozialistische (und nicht nur sozialökologische) Partei in den nächsten Jahren zu beschreiten haben.
Pia Imhof-Speckmann

Das Erste Seminar der Linken war ein voller Erfolg.
Am Freitag den 26.02.2010 nahmen 26 Teilnehmer im Naturfreundehaus Berlin am Seminar teil, davon waren auch Mitglieder der Verdi, Solid, serbisch – orthodoxe Kirchen Gemeinde, Verein der Freunde u.s.w dabei.Im Seminar befasste man sich mit der Geschichte und den Programmatischen Positionen der Partei, wie auch mit der Strategie und Krise des Neoliberalismus, Kapitalismus und der Entstehung der BRD.
Am Freitag um 17:00 Uhr war ein Kennenlernen und Orientierung auf das Thema.Abends saß man gemeinsam und gemütlich im Essraum zusammen und tranken sowie knabberten etwas, dabei lernte man jeden seine Persönlichkeit kennen was uns allen sehr gefiel.
Am Samstag nach dem Frühstück ging es dann los, als erstes befassten wir uns mir der Geschichte der BRD und der Entstehung Die Linke. Bei der Geschichte der BRD hat man sich Bilder von 1989 bis 1998 und 1989 bis 2007 angeschaut z.B. „vom Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989“ oder der „Hoyerswerda, Mölln, Rostock, Solingen – Ausländerfeindliche Exzesse in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung erschüttern die Öffentlichkeit“ angeschaut und erläutert. Die Bildern von 1989 bis 2007 sah man die „Montagsdemonstrationen von 2004“, „Krieg gegen Jugoslawien“ oder die „Gründungspartei der Linken am 16.Juni.2007“. Bei der Entstehung Die Linke befasste man sich mit der Gesamten Chronik der PDS bis zur Die Linke.
Nach dem Mittagessen befassten wir uns mit den Schwerpunk Strategie und Krise des Neoliberalismus, dabei teilten wir uns in 2 Gruppen auf. Die Erste Gruppe sollte über die Haushaltsrede z.B. „der Haushaltsplanentwurf ist Ausdruck einer durchgreifenden Modernisierung unseres Gemeinwesen.“ diskutieren und erläutern. Die Zweite Gruppe über die Raststätten-Räuber z.B. „Wie Private-Equity-Fonds mit wenig Eigensatz große Renditen erwirtschaften.“, danach trafen wir uns wieder zusammen und führten die andere Gruppe den Beitrag vor und diskutierten gemeinsam. Nach den Informationellen und lehrreicher Tag gingen wir wieder gemeinsam zum Essraum und unterhielten uns über den wundervollen Tag.
Am Sonntag und auch leider der Letzte Tag den wir hatten, sind wir zum Thema „Programmatische Grundposition der Linken“ angekommen. Auch hier teilten wir uns in 2 Gruppen auf. Eine Gruppe mit „Programmatische Grundpositionen der Linken“ die andere Gruppe mit dem Zitat aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ und „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie – Einleitung“ nachdem erläuterte und diskutierte man wieder gemeinsam.
Ich freue mich schon auf den nächsten Seminar und auf zahlreiches erscheinen. Bis zum nächsten mal.
Christian.R
Mitglied Die Linke
Dietrich Antelmann Lissabon-Vertrag, der stille Staatsstreich
In einer Demokratie geht, das wissen wir ja, alle Staatsgewalt vom Volke aus. Dieses legt als Souverän auch die Grundregeln der Politik fest, entscheidet über die staatliche Ordnung, die Verfassung. So die Theorie, wie wir sie gelernt haben.
In der Praxis muß das doch auch anders zu machen sein, dachten die Machteliten im zusammenwachsenden Europa und ließen einen umfangreichen und schwer verständlichen Entwurf für eine Verfassung der Europäischen Union entwerfen, der in den Parlamenten der Mitgliedsstaaten rasch durchgewinkt werden sollte. Aber dann fanden in Frankreich und in den Niederlanden nach intensiver öffentlicher Diskussion Volksabstimmungen darüber statt, und die gingen für die Urheber des Verfassungswerkes schlecht aus. Also wurde die „Verfassung“ zum „Vertrag“ umgeschrieben und noch ein bißchen komplizierter formuliert. Wieder wurde in den Parlamenten der einzelnen Staaten durchgewinkt, eine Volksabstimmung fand diesmal nur in Irland statt, und weil auch dort die Mehrheit Nein sagte, müssen die Iren demnächst noch einmal abstimmen. In der Bundesrepublik Deutschland klagten der CSU-Politiker Gauweiler, die Bundestagsfraktion der Linken und andere gegen den Vertragsentwurf beim Bundesverfassungsgericht. Die Karlsruher Richter machten sich einige Einwände zu eigen und nötigten so den Bundestag, neue „Begleitgesetze“ zu dem bereits angenommenen Vertrag zu fabrizieren, vor allem um die eigenen Mitspracherechte bei Entscheidungen der EU abzusichern. Eher unwillig und möglichst selbstgenügsam wollen die Parteien diesem Auftrag nun noch vor der Bundestagswahl nachkommen. Ob der EU-Vertrag der Demokratie und der Verfassung in der Bundesrepublik Boden entzieht, ist ihnen offenbar gleichgültig. Nur die Linkspartei hat noch Bedenken.
Was ist die Substanz des Lissabon-Vertrags, der den Bürgerinnen und Bürgern in der EU aufgedrückt werden soll?
Unbeschränkte Freiheiten für Kapital, Waren und Dienstleistungen, Niederlassungs- und Wettbewerbsfreiheit werden zu den obersten Prinzipien der EU erklärt. Ihnen ist in allen Fällen Geltung zu verschaffen. Zusätzlich abgesichert werden diese einseitig die Kapitaleigner begünstigenden Regelungen durch das neue Grundrecht der unternehmerischen Freiheit (Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Titel I, Artikel 16). Entsprechende Rechte für die Gewerkschaften sucht man ebenso vergebens wie soziale Standards. Der Vergleich mit dem Grundgesetz läßt überdies Einschränkungen der Pressefreiheit und der akademischen Freiheit erkennen. Sie werden nach Artikel 11 und 13 der Charta der Grundrechte nicht mehr gewährleistet, sondern nur noch geachtet. Machtstrukturen, die regelmäßig Wirtschaftskrisen hervorgebracht haben und hervorbringen, werden im Vertrag von Lissabon unter Ausschluß jeglicher Alternative festgeschrieben und weiter ausgebaut. Damit entfallen auch die in Artikel 14 des Grundgesetzes enthaltene Sozialpflichtigkeit des Eigentums und die in Artikel 15 GG enthaltene Möglichkeit der Vergesellschaftung von Grund und Boden, von Naturschätzen und Produktionsmitteln.
Entscheidungen zur gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) bis hin zur gemeinsamen „Verteidigung“ werden in die Zuständigkeit der Union überführt. Die im Europäischen Rat versammelten Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten bestimmen die strategischen Interessen und Ziele. Das EU-Parlament darf in Fragen der GASP weder entscheiden noch eine Kontrollfunktion ausüben. Es dient einer Scheinlegitimation. Schon der Name EU-Parlament ist irreführend, weil es kein Gesetz initiieren und über Budgetfragen nicht abstimmen kann.
Nach dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (sechster Teil, Abschnitt 5, Artikel 275) darf der Gerichtshof der Europäischen Union nicht über die Bestimmungen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und über die auf der Grundlage dieser Bestimmungen erlassenen Rechtsakte urteilen. Das oberste Gericht erhält vielmehr die Hauptaufgabe, die uneingeschränkte Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Richter und Generalanwälte werden ohne parlamentarische Mitwirkung von den Regierungen der Mitgliedstaaten ernannt. Kein Wunder, daß sie zu Lasten des Allgemeinwohls, zum Vorteil der Kapitaleigner entscheiden. Zum Beispiel wurde die französische Regierung verurteilt, eine Autobahnblockade zu räumen, die aus Anlaß eines Streiks der Lastkraftwagenfahrer errichtet worden war. Begründung: Das Recht auf freien Warenverkehr habe Vorrang. Ein weiteres Beispiel: Mit Sonderaktien wollten sich Frankreich und Portugal an Energiekonzernen beteiligen, um die Energieversorgung der Bevölkerung in Krisensituationen sicherstellen. Der EU-Gerichtshof erachtete die Kapitalverkehrsfreiheit als das höhere Rechtsgut und verwarf die Sonderaktienregelung.
Um die „harten Leistungserwartungen“ (so Werner Weidenfeld von der Bertelsmann-Stiftung in einer von der Bundeszentrale für politische Bildung her-ausgegebenen Broschüre zur Verfassung der Europäischen Union) erfüllen zu können, bedarf es entsprechender militärischer Kräfte, die das Kapital auf der Jagd nach größtmöglicher Rendite unterstützen. Alle Mitgliedstaaten werden durch den Lissabon-Vertrag verpflichtet, schrittweise aufzurüsten. Militäreinsätze werden als friedenstiftende Maßnahmen, humanitäre Rettungseinsätze, Eingriffe zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung und als Operationen zur Stabilisierung der Lage nach Konflikten verharmlost.
Die mit dem Vertrag verknüpfte Preisgabe des Sozialstaates, die Verpflichtung zur Aufrüstung in Zusammenhang mit dem Umbau der Bundeswehr zu einer weltweiten Interventionsstreitmacht, der an die Substanz gehende Demokratieabbau und der gleichzeitige Aufbau eines vernetzten Polizei- und Geheimdienstapparates laufen in ihrer Summe auf einen stillen Staatsstreich hinaus.
Auch das Bundesverfassungsgericht äußerte in seiner Entscheidung vom Juni dieses Jahres tiefe Sorge um die Demokratie in Deutschland und Europa, auch wenn es sie mit viel Höflichkeit formulierte: „Die Europäische Union erreicht auch bei Inkrafttreten des (Lissabon-) Vertrags noch keine Ausgestaltung, die dem Legitimationsniveau einer staatlich verfaßten Demokratie entspricht.“ Das Europäische Parlament sei „kein Repräsentationsorgan eines souveränen europäischen Volkes“.
Noch gilt das Grundgesetz. Aber wie lange? Mit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages sollen gemäß Erklärung Nr. 17 zur Schlußakte der Regierungskonferenz, die den am 13. Dezember 2007 unterzeichneten Vertrag von Lissabon angenommen hat, das Vertragsrecht der Union und die Rechtsprechung der Union Vorrang vor dem Recht der Mitgliedstaaten haben. Die „Erklärung zum Vorrang“ bedeutet zum Beispiel, daß mit seinem Inkrafttreten das deutsche Atomausstiegsgesetz keinen Bestand mehr hat, sondern hinter den Euratom-Vertrag zurücktritt, der die Atomenergie fördert. Und schon (31. August) wird aus Brüssel gemeldet, daß die Europäische Union hinsichtlich der Rettungspläne für Opel auf folgende Maßgabe aufmerksam gemacht habe: Wenn eine deutsche Staatshilfe für Unternehmen an Arbeitsplatzgarantien geknüpft werde, verstoße sie gegen europäisches Recht.
Ein erfahrener Jurist hat über die politischen Zustände, in die der Vertrag von Lissabon hineinführt, geäußert: „In Brüssel gilt die Selbstermächtigung der Administratoren. Es gibt keine Kontrolle und auch keine Verantwortung der Hoheitswalter gegenüber den Bürgern. Das Gesamtkonglomerat der Brüsseler Machthaber würde noch viel mehr Macht gewinnen. Die Parlamentarier blieben zu Schulbuben degradiert, die ein bißchen mitspielen dürfen.“ Kein Linksradikalinski war es, der das sagte, sondern der langjährige CSU-Europaabgeordnete Graf Stauffenberg. Da hat ein Schwarzer ins Schwarze getroffen.
Aus: Ossietzky, Zweiwochenschrift für Politik, Kultur, Wirtschaft, Heft 18/09
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Die CDU im Südwesten hatte nie den Ruf besonders fortschrittlich zu sein. Deshalb ist es nicht überraschend, dass sie sich wieder einmal rechtslastig profiliert, indem sie eine große Anfrage in der BVV in Steglitz-Zehlendorf stellt mit dem Ziel, die „LINKE“ von öffentlichen Veranstaltungen fernzuhalten. Offenbar fürchtet sie, dass wegen der allgegenwärtigen Krise des kapitalistischen Systems ihre marktradikalistische Ideologie ins Wanken gerät. Die Ideologen der „Vereinigten Rechten“ im Land, der man die Steglitz-Zehlendorfer CDU getrost zurechnen kann, müssen nun versuchen zu beweisen, dass die sogenannte freie Marktwirtschaft, sprich Kapitalismus, auch in der Zukunft in der Lage sein wird, die Widersprüche des kapitalistischen Systems zu bewältigen und zu beweisen, dass es keine Alternative dazu gibt, schon gar nicht den Sozialismus. Nun ist es ja nicht so, dass die „Vereinigte Rechte“ Angst hat vor den Linken. Was sie wirklich fürchtet, ist das Volk. Sie fürchten Massendemonstrationen und Aktionen oder Streiks zum Beispiel. Sie müssen Angst haben, dass die Menschen selbst erkennen, dass das, was die Linken sagen, richtig ist sowie dass das Programm von der Partei DIE LINKE eine Alternative darstellt und ansatzweise eine Vision für eine künftige Gesellschaft zeigt.
Eine bewährtes Mittel im Kampf gegen alle Linken ist der Antikommunismus in verschiedenen Erscheinungsformen. Eine Methode dabei ist die Gleichsetzung von „Rot gleich Braun“, von Faschismus und Sozialismus. Dieser aberwitzige Versuch, Sozialismus und Faschismus gleichzusetzen, hat Tradition: kein geringerer als Thomas Mann hat sich bereits 1946 damit beschäftigt und einen bemerkenswerten Beitrag verfasst. Zum Antikommunismus schreibt er: „Ich glaube, ich bin vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. Trotzdem kann ich nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Wort Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen die Grundtorheit unserer Epoche.“ Der gesamte Aufsatz von Thomas Mann wird hier anschließend eingefügt. Er zeigt die enge Verbundenheit von Faschismus und Großkapital, er beschreibt die fatalen Folgen des Antikommunismus.
Der Antikommunismus richtet sich nicht nur gegen Sozialisten und Kommunisten, sondern gegen alle fortschrittlichen, gesellschaftsverändernden Bewegungen im Land. Auch gegen Sozialdemokraten egal ob sie parteilos, in der SPD oder der Partei DIE LINKE sind.
Eberhard Speckmann
Ich würde gewiss das marxistische Examen nicht bestehen, aber obgleich ich weiß, dass der Faschismus seine geistige Seite hat, und dass man ihn als eine rückschlägige Bewegung gegen die rationalistische Humanität des neunzehnten Jahrhunderts verstehen muss, kann ich nicht umhin, ihn zugleich als eine politisch-wirtschaftlich-reaktionäre Bewegung zu sehen, eine Gegenrevolution pur sang, als den Versuch aller alten sozial und ökonomisch Rückwärtsgewandten, die Völker und ihre Glücksansprüche niederzuhalten und jeden sozialen Fortschritt zu verhindern, indem man ihm den Schreckensnamen des „Bolschewismus“ anheftet. In den Augen des konservativen Kapitalismus des Westens war der Faschismus schlechthin das Bollwerk gegen den Bolschewismus und gegen alles, was man mit diesem Namen treffen wollte – besonders mit den „purges“ vom Juni 1934, durch die, was sozialistisch war im Nationalsozialismus, ausgetilgt und die alte Macht-Kombination von Junkertum, Armee und Industrie gerettet worden war.
Diese blutige Aktion bedeutete eine wohlbeabsichtigte internationale Stützung des Naziregimes. Es war damit dem Westen demonstriert, dass es sich in Deutschland zwar um einen Machtwechsel, aber nicht um eine Revolution handelte, die das bestehende Wirtschaftssystem bedrohte. Man sah sich nicht getäuscht in seiner Auffassung des Faschismus, man fand, dass er „Ordnung“ bedeutete, Ordnung im Sinne des Alten. Man verzog wohl den Mund über die Scheußlichkeiten seines Gebahrens, hütete sich aber, ihn im Innern durch diplomatische Isolierung unmöglich zu machen, was damals so leicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Das Phänomen einer „Revolution“ bot sich dar, die überall in der Welt das Reaktionäre, jedes Comite des Forges, alle Feinde der Freiheit und des sozialen Fortschrittes für sich hatte, auch den Adel, das Faubourg St. Germain, die vornehme Gesellschaft, die Prinzen, das hohe Militär und jenen Teil der katholischen Kirche, der im Christentum vor allem Hierarchie, Bescheidung, devote Gebundenheit an das Bestehende erblickte.
Feldmarschall Göring ist die Verkörperung – die sehr umfangreiche Verkörperung – dieses Machtkomplexes von Junkertum, Militarismus aus ordensbehangenen miles gloriosus und Großaktionär. Er war der Herr des deutsch-europäischen Industriemonopols nach der Unterwerfung Europas, die durch die Unterminierung der demokratischen Widerstandskräfte und die allgemeine Anfälligkeit für den faschistischen Bazillus gelungen ist. Was es an Mitarbeit gibt, ist die Mitarbeit der reichen, der Geschäftemacher überall in den Ländern. Diesen geht es gut dabei, sie verdienen, kaufen auf Schwarzen Märkten, schlemmen in Monte Carlo, während die Völker verhungern und das Opfer einer von Deutschland geplanten, auf moralische und physische Entmannung gerichteten Bevölkerungspolitik sind.
Ich wiederhole: In den Augen des konservativen Kapitalismus des Westens war der Faschismus schlechthin das Bollwerk gegen den Bolschewismus und gegen alles, was man darunter verstand. Man ließ sich Scheußlichkeiten, die er im Innern beging, gefallen, ohne zu realisieren, dass ihr außenpolitisches Zubehör der Krieg war. Vielleicht hatte man auch gegen diesen nichts. In Frankreich zum Beispiel waren ja Krieg und Niederlage das Hilfsmittel zum Sturz der Republik und zur „nationalen“, d.h. faschistischen Revolution. Man festigte das faschistische Regime von außen, denn in der wüsten Unordnung, Rechtlosigkeit und Kulturzerrüttung wollte man Ordnung, Schönheit und Sicherheit sehen – Sicherheit nicht für die Völker, sondern vor den Völkern, Sicherheit vor dem sozialen Fortschritt.
Mit einem Schein von Recht konnten die Diktatoren ausrufen: „Was wollen diese Menschen? Warum führen sie so plötzlich Krieg gegen uns? Sie waren ja unsere offenen und heimlichen Gönner und Helfer! Sie haben uns in den Sattel gesetzt und darin gefestigt, haben uns finanziert, belobt, bekurt und uns die außenpolitischen Erfolge, mit denen wir unsere Gegner zu Hause vollends mundtot machen konnten, auf dem Präsentierteller dargebracht. Aber sie meinen es auch gar nicht ernst. Sie wünschen im Grunde nicht, den Faschismus zu vernichten. Heimlich wollen sie ihn erhalten. Sie kämpfen halben Herzens, mit unklaren Absichten, und die Gebrochenheit ihres Willens ist unsere Zuversicht. Sie bekommen zwar die Überhand, aber wenn wir nur aushalten, so werden die inneren Gegensätze zwischen den Alliierten zum offenen Ausbruch kommen, und wir werden den Nutzen davon haben, werden Ost und West gegeneinander ausspielen.“
Sie sind im Irrtum, und ihre Hoffnungen werden fehlschlagen. Gewiss gibt es Gegensätze der Weltanschauung zwischen Russland und seinen Verbündeten, aber dieser Krieg ist ja unter anderem ein Mittel zum Ausgleich dieses Gegensatzes, zum Ausgleich von Sozialismus und Demokratie, auf dem alle Hoffnung der Welt beruht. Einig sind sie im Kampfe gegen die menschliche Degradierung, die die Eroberung der Welt durch den Faschismus bedeuten würde. Einig sind sie im Kampf für Recht und Freiheit. Ein Krieg aber für Freiheit und Recht kann nur mit den Völkern und für die Völker geführt werden. Man muss von Herzen hoffen, dass es nicht gehen möge, wie nach den Kriegen gegen Napoleon, die „Freiheitskriege“ hießen, solange sie dauerten und man die Völker und ihren Freiheitsdrang dafür brauchte, die aber dann nur noch „Befreiungskriege“ im außerpolitischen Sinn gewesen sein sollten, damit dem Volke die innerpolitischen, revolutionären Früchte des Kampfes vorenthalten blieben.
Damals, im Jahre 1813, kämpften die Fürsten und Regierungen nicht so sehr gegen Napoleon als gegen die Revolution, deren Schwertträger der Kaiser war. Den Völkern aber wurde vorgemacht, sie kämpften für die Freiheit, und ich weiß nicht, ob sie wie ich das Abscheuliche in der Täuschung der Völker empfinden.
Im März 1932, ein Jahr bevor ich Deutschland verließ, hielt ich anlässlich von Goethes 100. Todestag in der Preußischen Akademie der Künste eine Ansprache, die mit den Worten schloss: „Der Kredit, den die Geschichte heute der bürgerlichen Republik, der demokratisch-bürgerlichen Gesellschaft noch gewährt, dieser nachgerade kurzfristige Kredit beruht auf dem noch aufrechterhaltenen Glauben, dass die Demokratie das, was ihre zur Macht drängenden Feinde zu können vorgeben, auch kann, nämlich Staat und Wirtschaft in eine neue Welt hinüberzuführen.“ Man könnte diese Warnung, die damals der deutschen Mittelklasse galt, heute an die ganze bürgerliche Welt des Abendlandes richten. Findet sie nicht den Mut, sich in diesem Kriege und nachher auf die populären Kräfte zu stützen, wirklich einen „People’s war“ (Volkskrieg) in ihm zu sehen, und wirklich eine neuere, freiere, gerechtere Welt, die soziale Demokratie zu wollen, verbindet sie sich stattdessen ihrer eigenen revolutionären Tradition uneingedenk mit den Mächten der alten Ordnung, einer nur noch sogenannten Ordnung, nur um beileibe alles zu vermeiden, was sie „Anarchie“ nennt, alles Revolutionäre also, dann wird der Glaube der vom Faschismus vergewaltigten Völker Europas an die Befreier erschöpft sein....
Ich glaube, ich bin vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. Trotzdem kann ich nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Wort Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen die Grundtorheit unserer Epoche.
Der Kommunismus ist als Vision viel älter als der Marxismus und enthält auch wieder Elemente, die erst einer Zukunftswelt angehören. Älter ist er, weil schon die religiösen Volksbewegungen des ausgehenden Mittelalters einen eschatologisch-kommunistischen Charakter hatten: schon damals sollten Erde, Wasser, Luft, das Wild, die Fische und Vögel allen gemeinsam gehören, auch die Herren sollten um das tägliche Brot arbeiten, und alle Lasten und Steuern sollten aufgehoben sein. So ist der Kommunismus älter als Marx und das 19. Jahrhundert. Der Zukunft aber gehört er an insofern, als die Welt, die nach uns kommt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden, und die langsam ihre Umrisse zu enthüllen beginnt, schwerlich ohne kommunistische Züge vorzustellen ist: d.h., ohne die Grundidee des gemeinsamen Besitz- und Genussrechts an den Gütern der Erde, ohne fortschreitende Einebnung der Klassenunterschiede, ohne das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit für alle.
Aus: Die Einheit, 1946, Heft 2, S. 105ff, Verlag Dietz Nachf., Berlin
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Der INTERNATIONALE FRAUENTAG am 8.März
Wie entstand der Internationale Frauentag und wer hat ihn eingeführt?
Für die Datierung des Datums, gibt es je nach Quelle, verschiedene Ereignisse, die dafür herangezogen werden. Ein Grund dafür ist, dass die Frauenbewegung auch zum ideologischen Spielball des „Kalten Krieges“ wurde. Dennoch steht fest, dass die Sozialistin Clara Zetkin auf der 2.Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen am 27. August 1910 die Einführung des Internationalen Frauentages vorschlug, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. In Sankt Petersburg wurde am 8. März 1917 (nach russischem [julianischen] Kalender der 23. Februar) durch den Streik der Arbeiter- und Soldatenfrauen, im Armenstadtviertel Wyborg, die Februarrevolution ausgelöst. Auf der 2. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen , 1921 in Moskau, schlug die bulgarische Delegation den 8. März als internationalen Gedenktag zur Ehre der Rolle der Frauen während der Februarrevolution vor, welcher seitdem seine internationale Anerkennung hat.
Gibt es eine Identität zwischen dem Muttertag und dem Internationalen Frauentag?
Nachdem sich 1918 auf der europäischen Ebene das allgemeine Wahlrecht durchgesetzt hatte, wurde der Internationale Frauentag nach dem 1. Weltkrieg genutzt, um verstärkt auf die sozialen Probleme der Frauen aufmerksam zu machen. So forderten z.B. die Frauen in Deutschland, dass Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge umgesetzt werden, die Lebensmittelpreise gesenkt würden, die Legalität des Schwangerschaftsabbruchs und eine regelmäßige Schulspeisung für die Kinder.
Zwischen 1933 und 1945 wurde der Internationale Frauentag, aufgrund der maßgeblichen Anteilnahme der sozialistischen Bewegungen am Entstehen des Frauentages, verboten. Stattdessen wurde der Muttertag eingeführt. Dieser entsprach eher dem Ideal der nationalsozialistischen Frauen und Mütter und erhielt den Rang eines offiziellen Feiertages.
Ab wann wurde der Internationale Frauentag wieder in Deutschland gefeiert?
Nach der Zerschlagung der Naziherrschaft wurde im geteilten Deutschland mit dem Internationalen Frauentag unterschiedlich umgegangen. 1946 führte das sowjetische Militär den 8. März als Gedenk- und Feiertag in die DDR ein. Dieser hatte jedoch Anfangs, aufgrund seiner ideologischen Prägung, den Charakter einer Pflichtveranstaltung, welcher sich in den späteren 80er Jahren änderte. Er wurde dann unpolitischer und somit festlicher und ungezwungener gefeiert.
In der BRD ging, trotz der Bemühungen der Sozialdemokratinnen, die Bedeutung des Gedenktages allmählich verloren. Ende der 60er Jahre wurde sich die Bevölkerung der Bundesrepublik, wie auch in anderen Ländern, durch das Engagement der neuen Frauenbewegung, des 8. Märzes als Gedenktag wieder bewusst.
In der ehemaligen Sowjetunion, China und Burkina Faso (Westafrika), ist der Internationale Frauentag ein gesetzlicher anerkannter Feiertag.
Welchen Status hat der Internationale Frauentag heute in der BRD?
In der BRD ist der Internationale Frauentag immer noch nicht als gesetzlicher Feiertag anerkannt und muss noch politisch eingefordert werden.
Hat die Frau in der heutigen BRD schon die Gleichstellung erreicht? Keineswegs! Sicherlich haben Sie im Verhältnis der Frauen in den unterentwickelten Ländern einen langen Weg zurückgelegt und ihre Rechte durchgesetzt, doch die Ziele der Frauenbewegung, die Rechte der Frauen in der Gesellschaft weltweit umzusetzen, wurden bis heute noch nicht erreicht.
Auch heute noch, im 21. Jahrhundert, ist die Frau das leidtragende Wesen im gesellschaftlichen Leben. Gerade in der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise spüren die Frauen deutlich ihre Ausgrenzung und Diskriminierung. Für ihre Rechte in der Gesellschaft und der Emanzipation müssen sie auch heute noch vehement eintreten, egal ob im Kapitalismus oder Sozialismus.
An jedem 8. März gedenken wir der unzähligen Frauen, die ihr Leben für ihre legitimen Rechte lassen mussten.
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Aktiv werden für linke Alternativen gegen die Krise !
Die kapitalistische Weltwirtschaft steht vielleicht an der Schwelle ihrer schwersten Krise seit der großen Depression der dreißiger Jahre. Die Klimakrise spitzt sich immer mehr zu. Ohne entschiedene Gegenmaßnahmen wird die Wirtschaftskrise die internationale Konkurrenz und die militärischen Spannungen verschärfen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen, z.B. in Afghanistan und im Irak, halten an und drohen sich auszuweiten. Gleichzeitig ist durch die Politik des Neoliberalismus der Sozialstaat geschwächt und seine Interventionsfähigkeit durch Privatisierung, Deregulierung und Sozialabbau und durch neoliberal geprägte europäische und internationale Vorgaben reduziert worden.
Vor diesem Hintergrund gerät die herrschende neoliberale Ideologie in eine tiefe Krise und die Frage nach grundsätzlichen Alternativen zum Kapitalismus gewinnt wieder an Aktualität.
Deutschland befindet sich am Anfang einer Rezession, deren Ende nicht abzusehen ist. Ein Anstieg der Massenerwerbslosigkeit ist abzusehen. Aber selbst angesichts der sich auftürmenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Gefährdungen zeigt sich die deutsche Bundesregierung, noch weniger als andere Regierungen bereit, hier entschieden gegenzusteuern. Deutlich wird dies auch am vorgelegten so genannten "Maßnahmenpaket Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung", das völlig unzureichend dimensioniert und überwiegend mit Steuer- und Kreditvergünstigungen Unternehmen fördern soll, aber nur zum geringsten Teil ein wirkliches Konjunkturprogramm ist, das drängende Defizite beseitigt, die Binnennachfrage und öffentliche Investitionen ausweitet und Arbeitsplätze schafft. Es trägt den Charakter einer Umverteilung von Staatsvermögen in die Hände der Konzerne und Reichen.
Dies verlangt eine deutliche Antwort der sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und der linken politischen Kräfte! Hier ist auch die Partei DIE LINKE gefordert: Sie muss mit klaren Positionen Alternativen aufzeigen und dafür mobilisieren.
Daher sollte die Finanz- und Wirtschaftskrise von der LINKEN zum Anlass genommen werden, weitergehende gesellschaftliche Regulierungsvorstellungen in die öffentliche Diskussion einzubringen, wie die Vergesellschaftung des Finanzsektors angesichts der Liquiditätsprobleme der Banken und - angesichts der Notwendigkeit eines "Schutzschirmes" für die Automobilindustrie - die Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien.
Zur Diskussion steht ein Anti-Krisenprogramm mit folgende Eckpunkten:
1. Unverzüglich muss ein öffentliches Konjunktur- und Zukunftsinvestitionsprogramm von in den ersten Jahren 75, später 50 Milliarden Euro aufgelegt werden, in den Bereichen Kinderbetreuung, Bildung und Wissenschaften, Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehr und ökologischem Umbau, z.B. Förderung regenerativer Energieformen, Maßnahmen zur Ressourcenschonung.
2. Die Profiteure der Finanzmarktgeschäfte, Reiche und Kapitalbesitzer müssen bezahlen: Einführung einer Millionärssteuer von 5-10 %; Börsenumsatzsteuer, Rückgängigmachung der Steuervergünstigungen der letzten 15 Jahre wie z.B. Senkung der Körperschaftssteuer und Senkung des Spitzensteuersatzes;
3. Öffentliche Kontrolle über die Banken und das Finanzsystem sowie Regulierung der Finanzmärkte: Verbot der Hedgefonds und riskanter Spekulationsgeschäfte, wie außerbilanzieller Derivategeschäfte, usw.; Einführung der Tobinsteuer, Vergesellschaftung der Banken; Verpflichtung der Landesbanken auf ihren öffentlichen Auftrag; Trockenlegung der Steueroasen, Kapitalverkehrskontrollen, usw.
4. Stärkung des öffentlichen Sektors (Daseinsvorsorge): Bessere Finanzausstattung der Kommunen, Stop von PPP-Geschäften; keine Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, sondern Rekommunalisierung; keine (Teil-) Privatisierung der Bahn; mehr Geld für Bildung und Bildungsreform (Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems), ökologischer Umbau, Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, bessere Finanzausstattung des Gesundheitswesens,
5. Rücknahme der Teilprivatisierung des Rentensystems und der Rente mit 67: Ausbau des gesetzlichen umlagefinanzierten Rentensystems; Erhöhung der gesetzlichen Mindestsicherung im Alter; Rücknahme der Rentenkürzungen der letzten 20 Jahre.
6. Rücknahme der Agenda 2010 und der verhängnisvollen Hartz-Gesetze. Bis dahin sofortige Anhebung der Regelsätze durch ihre Anpassung an die Lebenshaltungskosten und Wegfall menschenunwürdiger Sanktionen.
7. Keine Lohnsenkungen sondern Reallohnerhöhung: Austrocknung des Niedriglohnsektors durch Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 8,77 Euro plus (schnelle Erhöhung auf 10 Euro); Einschränkung der Leiharbeit und gleiche Bezahlung der Leiharbeiter; Einschränkung befristeter Arbeitsverhältnisse, usw.
8. Soziale Bedingungen für staatliche Hilfen: Staatliche Hilfsgelder und Bürgschaften müssen an soziale Bedingungen geknüpft werden, wie Schutz vor Entlassungen, Erhalt der tariflichen Standards; keine Aufweichung der Flächentarifverträge, Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich anstatt Arbeitsplatzvernichtung.
9. Kein Demokratieabbau sondern politisches Streikrecht: Volle parlamentarische Kontrolle und Transparenz über die Verwendung des Hilfsfonds; Einführung des politischen Streikrechts, wie in anderen europäischen Ländern.
Was können, was sollten wir tun, um linke Alternativen gegen die Krise durchsetzungsfähig zu machen ?
1. Als ersten Schritt sollte die Partei DIE LINKE sich dafür einsetzen, dass gemeinsam mit anderen dezentrale Aktionstage gegen die Regierungspolitik und für ein umfassendes Anti- Krisenprogramm organisiert werden.
2. Als zweiten Schritt sollte sie zusammen mit anderen eine breit angelegte bundesweite Konferenz mit VertreterInnen von Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen und Organisationen sowie kritischen Wissenschaftlern zum gleichen Themenkomplex in Angriff nehmen.
3. Vorschläge für weitere gemeinsame Aktivitäten gegen die Regierungspolitik und für progressive Alternativen, von dezentralen Aktionen in Städten und Betrieben bis hin zu einer bundesweiten Demonstration, sind in der Partei und mit außerparlamentarischen Kräften zu diskutieren und dann umzusetzen.
Die Diskussion und Planung von Aktivitäten sollten so schnell wie möglich in Angriff genommen werden, damit wir im Jahr der Rezession 2009 handlungsfähig sind und unserer Oppositionsrolle gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Bevölkerung in der ganzen Breite gerecht werden.
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Beschluss des Parteivorstandes am 18. Oktober 2008 Banken in öffentliche Kontrolle und Millionärsteuer
DIE LINKE fordert: 1. Die Partei ist aufgerufen zu diskutieren, wie zukünftig der gesamte Finanzsektor im Sinne des Allgemeinwohls geregelt werden soll. Dabei ist insbesondere zu prüfen ob der Banken- und Kreditbereich dauerhaft in öffentliche und gemeinwirtschaftliche Kontrolle gehört. Vorbild könnten die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sein. Diese erweisen sich im aktuellen Finanzcrash als einzig stabiler Stützpfeiler, ohne den die Realwirtschaft schon viel stärker betroffen wäre. Bei der Debatte um die Überführung in Gemeineigentum ist insbesondere der Aspekt der demokratischen Kontrolle und Ausrichtung der Geschäftspolitik der Banken auf die Erfordernisse der Bevölkerung und der Realwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Das Bankgeschäft ist im Kern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
2. Zur Abschöpfung des frei vagabundierenden Finanzkapitals ist eine Millionärssteuer notwendig: Bei einem Steuersatz von etwa fünf Prozent bei einem Freibetrag von einer Million können jährlich 100 Milliarden Euro abgeschöpft werden. Viel Geld, das für Bildung und Erziehung, öffentliche Daseinsvorsorge, eine hervorragende Infrastruktur und den ökologischen Umbaus unseres Landes eingesetzt werden könnte. Es wäre sogar die Schuldentilgung vor allem von Länder- und Kommunalhaushalten denkbar, die heute mit rund 600 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Und Geld für Rettungsaktionen von Banken bliebe auch noch übrig. Voraussetzung der Krise war die Aufblähung der Finanzmärkte auf mehr als 100 Billionen Dollar. 1980 waren es gerade einmal vier Billionen Dollar. Je mehr Vermögen nach immer höherer Rendite strebt, desto größer die Tendenz zur Verselbständigung der Finanzsphäre gegenüber der Realwirtschaft. Desto größer der gesellschaftliche Schaden, der angerichtet wird. Die Geldschwemme ist Resultat einer massiven Umverteilung von unten nach oben. Unternehmern, Vermögenden und Beziehern hoher Einkommen sind in Deutschland in den letzten zehn Jahren rund eine Billion Euro zusätzlich zugeflossen; die eine Hälfte weil die Lohnerhöhungen zu niedrig waren, die andere aufgrund massiver Steuergeschenke. Die oberen zehn Prozent der Haushalte in Deutschland verfügen inzwischen über fast zwei Drittel des Gesamtvermögens.
Der NPD auf die Pelle rücken!
Offensiv gegen die NPD-Veranstaltung in Lankwitz!
Demonstration gegen NPD und rechte Ideologie
Samstag, 19. Juli, 12:30, S-Bhf Lankwitz (S 25)
Beginn bei der Kundgebung der Zivilgesellschaft und Parteien
Der NPD Kreisverband 3 will am Samstag den 19. Juli eine Saalveranstaltung im Steglitzer Ortsteil Lankwitz durchführen. Der erst im Februar 2006 gegründete Kreisverband versucht bereits seit einiger Zeit in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg Fuß zu fassen. Neben gelegentlichen Infoständen haben sie bereits im September letzten Jahres im gleichen Gebäude ein schlecht besuchtes „Generationenfest" veranstaltet. NPD Mitglieder und andere Neonazis versuchten in den letzten Jahren mehrfach an Veranstaltungen zu „Rechtsextremismus" teilzunehmen oder diese zu stören. Da im Gegensatz zu den Ostberliner Bezirken und Neukölln in gewalttätige, neonazistische Strukturen im Westen Berlins fast vollständig fehlen, wird das bürgerlich seriöse Auftreten des Kreisverbandes nicht durch gewalttätige Übergriffe organisierter Neonazis beschädigt.
Obwohl der Kreisverband erst seit zwei Jahren existiert, übernimmt er bereits einige wichtige Funktionen für den Berliner Landesverband. Er beantragte die Räume im Rathaus Tempelhof für den NPDLandesparteitag im Juni diesen Jahres und betreibt als einziger Berliner Kreisverband eine ernst zunehmende, eigenständige Webseite, die sich redaktionell nicht auf südwest Berlin beschränkt. Auch wenn die Versuche des Kreisverbandes 3 in Steglitz-Zehlendorf Fuß zu fassen bisher wenig erfolgreich waren, bietet der Bezirk doch einige Anknüpfungspunkte für die NPD. Nicht nur unzählige Burschenschaften, unter ihnen auch die beiden extrem rechten Burschenschaften Gothia und Märker, haben hier ihren Sitz. Auch die bürgerliche Mitte ist nach rechts weit offen.
Die Steglitz-Zehlendorfer CDU verhindert seit Jahrzehnten erfolgreich die Umbenennung der Treitschkestraße. Auf den Namensgeber Heinrich von Treitschke geht nicht nur der Ausspruch, "Die Juden sind unser Unglück" zurück. Viel mehr trägt Treitschke auch die Verantwortung dafür, den Antisemitismus im Bürgertum hoffähig gemacht zu haben.
Zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, dem 8. Mai 2005, dachte die Steglitz-Zehlendorfer CDU und ihr Koalitionspartner FDP an den Schrecken und das Leid der Bevölkerung, den die Rote Armee von Ostpreußen bis nach Berlin zu verantworten hat und erklärte, dass der 8. Mai 1945 neben der Befreiung vom totalitaristischen Naziregime auch für Kriegsopfer, Flüchtlinge, Vertriebene, geschändete Frauen und die Opfer des sinnlosen Bombenkrieges stehen würde. Der BVVAbgeordnete Thomas Hippe (CDU) erklärte gar offen, dass er es nicht vermeiden könne, in einzelnen Positionen der NPD nahe zu stehen.
Uns reicht es angesichts der Steglitz-Zehlendorfer Zustände nicht unsere Ablehnung bloß symbolische hunderte Meter von der NPDVeranstaltung entfernt zu zeigen. Genauso wenig reicht es uns, rechte Ideologie nur bei der NPD zu kritisieren.
Rechte Ideologie bekämpfen! NPD angreifen!
AntifaschistInnen aus Südwest Berlin, Die Linke. BV Steglitz-Zehlendorf, Grüne Jugend Berlin, Jusos Steglitz-Zehlendorf,
VVN-VdA Gruppe Berlin-Südwest